WE FUCKED UP. BUT THAT’S OK! NO 3

Warum ein Ende auch ein Anfang sein kann.
Eine Reihe zum Scheitern.

No 3 INSOLVENT – UND WAS JETZT? Teil 1
GASTBEITRAG VON MEINER PARTNERIN YVONNE.

Den Tag werde ich nie vergessen, als unser Finance-Berater zu mir kam und sagte „Ihr seid insolvent“. Es war der 16. Dezember 2018 – 8 Tage vor Weihnachten! Ich kann gar nicht genau sagen, was mir zuerst durch den Kopf ging. Die Gedanken überschlugen sich. Wie konnte das passieren wo doch alles so gut lief? Wie erkläre ich es Jana? Wie meinem Mann? Was passiert mit den Mitarbeitern?
Du musst zum Anwalt. Du musst Dich absichern, damit du nicht noch in die Insolvenzverschleppung kommst. Was? Anwalt? Ich war ziemlich überfordert.

Es folgte die erste Nacht von vielen Nächten, in der an Schlaf nicht zu denken war. Aber es half nichts – wir mussten schauen, was nun getan werden muss. Also fuhr ich zu einem Anwalt.
Die Informationen, die er mir gab, waren niederschmetternd. Ich durfte noch nicht mal mehr Gehälter bezahlen. Aber es war doch kurz vor Weihnachten. Wie sollte das gehen? „Frau Schrodt, ich muss sie schützen. Sie haften als Geschäftsführung ab sofort für jede einzelne Ausgabe persönlich.“ Ich schaute meinen Anwalt an und brach in Tränen aus.  Wie sollte ich das alles nur schaffen?
Es gab aber doch eine Lücke. Wenn alle großen Gläubiger ihre Rechnungen nicht mehr fällig stellen und auf Januar 2019 verschieben, konnte ich Gehälter zahlen. Die oberste Priorität, die ich hatte. Gesagt – getan. Ich habe alle Gläubiger antelefoniert, um ihnen die Situation zu erklären und um Aufschub zu bitten. Alle spielten mit! Am 20. Dezember 2018 – meinem Geburtstag – machte ich mir selbst das schönste Geschenk: ich durfte Gehälter zahlen.

Jetzt hatte ich ein bisschen Luft und Zeit, um einen Sanierungsplan vorzubereiten. Es würde hart werden, aber wir könnten es schaffen, wenn alle Gläubiger mitziehen würden. Direkt im Januar informierte ich die wichtigen Gläubiger und stellte den Plan vor. Es sah gut aus – bis ein Gläubiger nicht mitzog. Leider war es der Wichtigste. Der Vermieter unserer Hauptfläche drehte den Hahn zu und kündigte uns fristlos die Mietfläche.

Der 16. Januar 2019 wurde zum Anfang vom Ende. 24 Monate nach unserem Opening sollte alles zu Ende sein. Ich konnte es nicht glauben – aber es war so. Ich musste zum Anwalt und die sogenannte 3-Wochenfrist begann zu laufen: keine Gehälter, keine Zahlungen an Lieferanten.

Ich berief eine Mitarbeiterversammlung ein. Schließlich musste ich meinen Mitarbeitern, die auch Freunde und Familie sind, die Nachricht überbringen. So viele Fragen prasselten auf mich ein: wie geht es weiter? Wann bekommen wir Geld? Müssen wir sofort raus? Wie kommunizieren wir nach draußen? Fragen, auf die ich selbst keine Antwort hatte.

Next: No 4 Insolvent – und was jetzt? Teil 2
Gastbeitrag von meiner Partnerin Yvonne. Von der Vorinsolvenz in die Insolvenz.

Fotos by Daniel Vogl (FAZ)

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